Montag, 1. Oktober 2018

Musikalische Sonntagsandacht im Brucknerhaus

Die erste Matinee der Saison fand gestern im Rahmen des Brucknerfestes statt und bescherte ein Programm mit geistlicher Musik aus Bruckners Archiv.

Im ersten Teil musizierte man nach einem a-cappella-Auftakt mit Kyrie und Gloria aus Palestrinas „Missa Aeterna Christi munera“ liturgische Gebrauchsmusik von Mozart („Spatzenmesse“), Michael und Josef Haydn (Nikolaimesse) und von Johann Baptist Schiedermayr, der als einer der Vorgänger Bruckners als Domorganist tätig war. Feine Kirchenmusik, die Johannes Hiemetsberger mit seinem Chorus sine nomine, der Wiener Akademie sowie Ana Maria Labin (Sopran), Michaela Selinger (Alt), Daniel Johannson (Tenor) und Wilhelm Schwinghammer (Bass) ebenso subtil und klangprächtig in Szene setzte.

Musikalisch vielleicht spannender war der zweite Teil mit Robert Schumanns selten zu hörender Missa sacra in c-Moll, deren Partitur sich ebenfalls im Nachlass Bruckners befand. Schumann ist diesbezüglich weniger Vorbild für Bruckner, aber er selbst orientierte sich an der vielfältigen Kirchenmusiktradition und schuf ein Werk, das sowohl intensiv mit Polyphonie durchwirkt ist, aber genauso auf den süddeutsch-österreichischen Stil zurückgreift. Daraus entstand eine reizvolle Messe, die abseits des Üblichen wandert und gerade deshalb und wegen der äußerst präzisen und stimmigen Wiedergabe die Ohren öffnen ließ.

Fazit: Ein ungewöhnlicher, aber höchst reizvoller Start der Sonntagsmatineen bei allerdings nur mäßigem Besuch, der den Ausführenden freundlichen Applaus spendete.

Michael Wruss