Freitag, 2. April 2010

Ikonen aus Noten

Die drei „Solocello mit Chor“-Werke von Gubaidulina, Nystedt und Tavener, die im Rahmen von Osterklang in der Minoritenkirche präsentiert wurden, hätten kaum unterschiedlicher sein können. In Gubaidulinas „Sonnengesang“ war das Cello noch Gegenspieler des Chors, bei Nystedts „Stabat Mater“ Begleitung und bei Taveners „Svyati“ Herzstück.

Gubaidulinas tonales Werk, zu dem auch Schlagwerk gehörte, entwickelte sich unter Einsatz von Trommeln, Glockenspiel und Celesta, sowie klingenden Metallstücken zu einem feinsinnigen Klanggeflecht, bei dem Zeitlichkeit aufgehoben schien. Bei Nystedts „O Crux“ konnte der Chorus sine nomine unter dem umsichtigen Leitung von Johannes Hiemetsberger sein ganzes Können beweisen, in „Stabat mater“ schmiegte sich das Cello fast zur Gänze an die exakt aufeinander abgestimmten Chorstimmen.

Die Musik des Norwegers war ein reines Schweben und Atmen, ausgezeichnetes Handwerk, doch fehlte es an Substanz. Im Gegensatz zum letzten Stück: Für John Taveners kirchenslawische Gottesanrufung verteilte sich der Chor im Raum und umkreiste stimmlich das in der Mitte positionierte Cello. Friedrich Kleinhapl spielte mit Ruhe und Intensität.