Ein Klangmeer voller Chor-Eleganz
Beeindruckende Eröffnung des Gustav-Mahler-Festivals in der Stadtpfarrkirche Bad Ischl mit dem Chorus sine nomine
Von Michael Wruss
„Gustav Mahler und der Tod“ ist nicht nur das Motto des bis Sonntag laufenden Gustav-Mahler-Festivals in Steinbach am Attersee, das am Donnerstag mit einem Chorkonzert in der Stadtpfarrkirche Bad Ischl eröffnet wurde, sondern zieht sich als Thema wie ein roter Faden durch das Werk des großen Komponisten des Fin de Siècle.
Was wäre da naheliegender, als das Konzert mit einem Ausschnitt aus dessen Totenmesse zu beginnen. Doch nicht chorisch, sondern in der Bearbeitung für Streichquartett durch Peter Lichtenthal. Lucia Hall, Kinga Vass, Palmena Ivanova, Teodora Miteva, allesamt Solistinnen des 1. Frauen-Kammerorchesters von Österreich, musizierten nicht nur beeindruckend den Introitus aus Mozarts Requiem, sondern auch die langsamen Sätze aus Schuberts „Tod und das Mädchen“ und Borodins 2. Streichquartett.
Für das Programm des Chorus sine nomine (CSN) hat Leiter Johannes Hiemetsberger einen großen Bogen von der frühen Renaissance bis ins 20. Jahrhundert geschlagen und dafür höchst diffizile Werke ausgewählt. Angefangen mit Johannes Ockeghems Klagegesang auf Gilles Binchois, den der CSN ungemein warmtönend und tief emotional empfunden anstimmte. Genauso betroffen machend: Thomas Weelkes‘ „When David heard“.
Perfekte Intonation
Die Mahler-Chor-Bearbeitungen von Clytus Gottwald gehören zu den heikelsten Werken der Chorliteratur. Auch hier, beim Adagietto aus Gustav Mahlers Fünfter, punktet der CSN mit grandioser Simmführung, perfekter Intonation, sicheren Einsätzen und einer fantastischen Klanglichkeit. Dass man ein Programm mit ausschließlich langsamer Chormusik derart spannend inszenieren kann, beweisen der Chorus sine nomine und Johannes Hiemetsberger auch bei Hugo Wolfs „Resignation“ und Max Regers traumwandlerisch fein musiziertem „Nachtlied“ sowie bei zwei weiteren Bearbeitungen: jene, die Samuel Barber von seinem eigenen „Adagio for Strings“ als Agnus Dei angefertigt hat, und jene von John Cameron, der Edward Elgars „Nimrod“-Variation als „Lux aeterna“ überwältigend auf den Chor umlegt.
Fazit: Ein grandioses Chorkonzert mit einem fein ausgetüftelten und überragend präsentierten Programm.