Montag, 5. März 2012
Vorarlberger Nachrichten

Neuer Wind mit „tuuli“

Neuer Wind mit „tuuli“
Zum 150-Jahr-Jubiläum des Vorarlberger Chorverbandes überraschte der Chorus sine nomine.

Der Chorus sine nomine wurde 1991 als Studentenchor von Johannes Hiemetsberger gegründet. Bereits 1995 erreichte der Chor beim Bundesjungendsingen den ersten Preis. „tuuli“, so der Titel des Abends, ist kein Chorkonzert im üblichen Sinn. Es ist eine Inszenierung für gemischten Chor, Solostimmen und Percussion (Regie: Ela Baumann).
Wind (tuuli) ist Bewegung und bringt Bewegung. So ist der Chor auf der Bühne und zwischen den Zuhörerreihen fast ständig in Bewegung.

Konfrontation mit Raritäten
Die Literatur ist zumindest in diesen Arrangements weitgehend unbekannt. Sie reicht von Gospelartigem über Bach, Ligeti zu für Chorus sine nomine komponierten Werken. Dazwischen werden drei Interludes von der Percussionistin und Komponistin Ingrid Oberkanins herausragend interpretiert. Dadurch entstehen vier Blöcke mit eigenen Spannungsbögen. Hervorragend die Zusammenstellung „Improvisationen zu Lux Aeterna“ (Ligeti) und „Ostwind I+II“ von Ingrid Oberkanins. Der vierte Block könnte gegesätzlicher nicht sein. „Rauda Needmine“ von Veljo Tormis, ein wunderbar fein gesponnenes zeitgenössisches Chorwerk, wunderbar interpretiert, prallt auf den Calypso „Tipitipitipso“, mit viel Schwung erfrischend und erheiternd gestaltet. Dazu gesellt sich das so noch nie gehörte „Agnus Dei“ aus der h-Moll-Messe, begleitet von einem Akkordeon, das nochmals richtig Wind macht.
Ein spannender Abend mit einem großartigen Chor, der sehr gute Solisten birgt, einer herausragenden Percussionistin in einer wirklich gelungenen Inszenierung. Das Publikum im vollbesetzten Kulturhaus war begeistert.