Montag, 27. Oktober 2014

Miserere

Wie modern auch Alte Musik sein kann, wird auf dieser CD mit dem berühmten „Miserere“ von Gregorio Allegri sehr eindrücklich und hörenswert bewiesen.
Der für seine Verbindung von Orient und Okzident hoch angesehene Musiker Vladimir Ivanoff – er leitet unter anderem auch das dafür bekannte Ensemble „Sarband“ – hat diese Komposition, die ja in der katholischen Liturgie eine sattsam bekannte Rolle spielte, für drei Kapellchöre und Saxophon eingerichtet. Dazu kommt der Aufnahmeort, nämlich die einzigartige Kirche am Steinhof von Otto Wagner (1841–1918) in Wien, das ergibt zusammen mit exquisiter Aufnahmetechnik ein bezwingendes, geradezu mystisches Musikerlebnis.

Die Akustik in dieser Jugendstilkirche ist so, dass „man alleine darin Kanon singen kann“, wie es sich auch in den provenzalischen Zisterzienserklöstern „Le Thoronet“ oder „Silvacane“ ereignet. Vor allem die Stellen, in denen ausgehaltene Töne die darüberliegenden Modulationen noch verstärken und alles zusammen in ein betörendes Klingen münden lassen, sie machen den ganz besonderen Hörreiz dieser CD aus.

Dass dazu die Ausführenden, der „Chorus sine nomine“ unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger und der Saxophonist Michael Krenn, überzeugend und makellos singen und spielen, selbst von dem, was sie da hervorbringen, sicherlich beeindruckt, lässt das Zuhören zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Wenn dazu gerade Sonntag ist – wie bei meinem ersten Eindruck –, dann ist das fast wie ein eigener, ganz persönlicher „Sonntagsgottesdienst“. Auch das kann eben mit einer solchen CD geschehen.

Natürlich gibt das Booklet die nötigen und ergänzenden Informationen zu Kirche, Musik und Mitwirkenden und auch zum „Arrangeur“. In jeder Hinsicht eine Aufnahme mit Kultpotenzial.