{"id":7912,"date":"2024-09-06T08:26:28","date_gmt":"2024-09-06T08:26:28","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/donner-und-blitz\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:28","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:28","slug":"donner-und-blitz","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/donner-und-blitz\/","title":{"rendered":"Donner und Blitz"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Hollywood-Blockbuster-Klangwalze rollt heran: &#8220;Der Klang der Offenbarung des G\u00f6ttlichen&#8221; im Wiener Volkstheater.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"absatz1\">Ist das Alte besser als das Neue? Oder anders gefragt: L\u00e4sst sich das Theater des 21. Jahrhunderts mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts erneuern? Diese Fragen umkreist der isl\u00e4ndische K\u00fcnstler Ragnar Kjartansson in seinem 2014 uraufgef\u00fchrt Musiktheaterst\u00fcck &#8220;Der Klang der Offenbarung des G\u00f6ttlichen&#8221;, das nun im Volkstheater gastiert. Nach 50 Minuten &#8220;Klang der Offenbarung&#8221; wird deutlich, dass die intendierte Auffrischung wohl nicht gl\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was lief schief? Ausgangspunkt der szenischen Recherche ist der Roman &#8220;Weltlicht&#8221; des isl\u00e4ndischen Nobelpreistr\u00e4gers Halld\u00f3r Laxness (1902-1998). Laxness verkn\u00fcpft darin Motive des Expressionismus und Surrealismus mit nordischen Mythen &#8211; von der abenteuerlichen Volksdichtung ist in &#8220;Klang der Offenbarung&#8221; nichts \u00fcbrig geblieben. Auf der B\u00fchne agieren keine Akteure, allein das B\u00fchnenbild hat einen gro\u00dfen Auftritt: Knapp eine Stunde lang wechseln sich B\u00fchnenbilder ab, die romantische Szenerien \u00e0 la Max Reinhardts &#8220;Sommernachtstraum&#8221; von 1935 zitieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Bild zeigt Wellen, darauf folgen karge W\u00e4lder, schlie\u00dflich schroffe Felsen &#8211; die arg versimpelte Idealisierung isl\u00e4ndischer Landschaft inklusive Donnergrollen, Blitzen, Lagerfeuer. Beim Grundkurs Landschaftspoesie mangelt es auch nicht an Schneefall, Sonnenunterg\u00e4ngen und Mondschein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ideenlieferant f\u00fcr die bizarre B\u00fchnenshow ist der britische Maler und Theatermacher Hubert von Herkomer (1849-1914), der Ende des 19. Jahrhunderts sogenannte &#8220;Pictorial Music Plays&#8221; entwickelte. Herkomer wollte das Theater vom B\u00fchnenspiel befreien &#8211; das gesprochene Wort wird durch das Lied ersetzt, Narration und Schauspiel sind \u00fcberfl\u00fcssig, f\u00fcr Stimmung und Atmosph\u00e4re sorgen allein Musik und B\u00fchnenbilder. Herkomer experimentierte mit dem seinerzeit neuartigen elektrischen Licht; er beeinflusste wiederum die B\u00fchnenbilder von Edward Gordon Craig, einem der ma\u00dfgeblichen Theaterreformer zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In &#8220;Der Klang der Offenbarung&#8221; spielt Musik ebenfalls die Hauptrolle. Der Komponist Kjartan Sveinsson, Mitglied der isl\u00e4ndischen Postrock-Band &#8220;Sigur R\u00f3s&#8221;, entwickelt f\u00fcr das Theaterprojekt einen Soundtrack, der sich anh\u00f6rt wie eine Hollywood-Blockbuster-Klangwalze nach Edvard Grieg: romantischer Klangeinheitsbrei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wiener Symphoniker unter Leitung von <strong>Johannes Hiemetsberger<\/strong> geben immerhin ihr Bestes, um die Vorlage achtbar erklingen zu lassen, der renommierte <strong>Chorus sine nomine<\/strong> steuert Lieder bei, die aus Laxness\u2018 Roman &#8220;Weltlicht&#8221; extrahiert wurden. Ein Hoch der Natursch\u00f6nheit Islands.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem Abend dreht sich so gut wie alles um die Suche nach Sch\u00f6nheit, die mit den Stilmitteln des Romantischen heraufbeschworen wird. Gerade Sch\u00f6nheit und Kunst bilden bekannterma\u00dfen eine knifflige Liaison, der sich Regisseur Kjartansson und Team am Ende nicht ganz gewachsen zeigen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[100],"class_list":["post-7912","press","type-press","status-publish","hentry","tag-2022_de_volkstheater"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}