{"id":7780,"date":"2024-09-06T08:26:19","date_gmt":"2024-09-06T08:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/bach-und-moderne-2\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:19","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:19","slug":"bach-und-moderne-2","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/bach-und-moderne-2\/","title":{"rendered":"Bach und Moderne"},"content":{"rendered":"<p>Das Etikett t\u00e4uscht. Der &#8220;Chorus sine nomine&#8221; hat sehr wohl einen Namen. Wahrscheinlich ist er derzeit der beste \u00f6sterreichische A-cappella-Chor \u00fcberhaupt. Am Mittwoch (8.10.) sang er in der Stiftskirche St. Peter Musik von und \u00fcber Bach.<\/p>\n<p>Viele Komponisten haben Bach ihre Reverenz erwiesen, und so halten es auch Schreiber zeitgen\u00f6ssischer Chorwerke. Offenbar wird man in Nordeuropa besonders oft f\u00fcndig. Knut Nystedt, ein Norweger, hat f\u00fcr sein St\u00fcck &#8220;Immortal Bach&#8221; den Choral &#8220;Komm s\u00fc\u00dfer Tod&#8221; hergenommen. Die Akkorde des Choralsatzes werden lange ausgehalten, in vierch\u00f6riger Technik harmonisch verdichtet und wieder ausged\u00fcnnt. Das wirkt unglaublich intensiv. Auch Sven David Sandstr\u00f6m, ein Schwede, baut auf sechzehn Chorstimmen, um eine Barockmelodie (wenn schon nicht von Bach, so doch von Buxtehude) auszureizen und mit einem schwedischen Volkslied zu kreuzen. Wolfgang Sausengs &#8220;Psalm 131&#8221; nimmt zwar nicht dezidiert auf Bach oder den Barock Bezug. Aber in diesem St\u00fcck sind Melos und Textdeklamation perfekt aufeinander abgestimmt. Da darf man durchaus an Bach als geheimen Lehrmeister denken.<br \/>\nSchade eigentlich, dass Johannes Hiemetsberger und der &#8220;Chorus sine nomine&#8221; an diesem Abend nicht eine ihrer Bravournummern haben h\u00f6ren lassen, Dieter Schnebels zwanzigstimmigen &#8220;Contrapunctus&#8221;. Das w\u00e4re die Kr\u00f6nung dieses Konzerts und eine ganz spezielle Bach-Abrundung gewesen.<br \/>\nAber wir wollen nicht unbescheiden sein: Gy\u00f6rgy Ligetis &#8220;Lux aeterna&#8221; ist ein Klassiker zeitgen\u00f6ssischer Chormusik und erklang in beispielhafter Wiedergabe. Der &#8220;Chorus sine nomine&#8221;&#8221; hat dieses St\u00fcck mit schon Angst machender Intonationsgenauigkeit drauf. Da beginnen die Cluster in der tiefen Region Eigenleben zu entwickeln, die Schwebungen lassen imagin\u00e4re Raumkl\u00e4nge entstehen. So etwas gelingt nur, wenn keine einzige der sechzehn Stimmen ausweicht, wenn das Zusammenklingen auf mikrotonale Bruchteile hin ausget\u00fcftelt ist.<br \/>\nNat\u00fcrlich haben Hiemetsberger und sein Chor auch in Sachen Bach viel zu erz\u00e4hlen: Eingangs in der Motette &#8220;Jesu meine Freude&#8221;, wo zum Beispiel die f\u00fcnfstimmige Fuge &#8220;Ihr aber seid nicht fleischlich sondern geistlich&#8221; tats\u00e4chlich ohne jede erdgebundene Schwere dahergekommen ist und das &#8220;Gute Nacht mein Leben&#8221; zu einem Weltabschied in grenzenlosem Optimismus wurde. Und a propos Fuge: Jene aus der Motette &#8220;Singet dem Herrn&#8221; (&#8220;Alles was Odem hat &#8230;&#8221;) war ein Modellbeispiel an plastischer Durchformung. Da hat man wirklich jede Stimme geh\u00f6rt, jeden Einsatz und jede Stimmkreuzung. Und das trot der heiklen Akustik.<br \/>\nEigenwillige St\u00fccke sind die Kompositionen von dem 1944 geborenen John Taverner, einem der quicklebendigen Chor-Schuzheiligen Englands: Diese Kombination aus an Benjamin Britten orientierter sinnlicher Harmonik und ostkirchlicher Schwermut ist grenzwertig: Kitsch, ja freilich, geradezu unanst\u00e4ndig wirkungsvoll! Aber wenn man das so singt (im St\u00fcck &#8220;Svyati&#8221; sogar zum saufalsch intonierenden Solo-Cello), wird auch diese Musik geadelt.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[56],"class_list":["post-7780","press","type-press","status-publish","hentry","tag-2008_bach_moderne"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}