{"id":7743,"date":"2024-09-06T08:26:18","date_gmt":"2024-09-06T08:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/klang-und-lichtwerdung-des-lobes\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:18","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:18","slug":"klang-und-lichtwerdung-des-lobes","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/klang-und-lichtwerdung-des-lobes\/","title":{"rendered":"Klang- und Lichtwerdung des Lobes"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Lichtwerdung l\u00e4sst man gern bei Joseph Haydn arbeiten. Die Alternative: Sofia Gubaidulinas &#8220;Sonnengesang&#8221;. Ein kurzer Gedanke zur\u00fcck in Unruhe &#8211; und schon begr\u00fc\u00dft strahlender Sopranglanz die Sonne. Und selbst der hellste aller Planeten muss sich geschmeichelt f\u00fchlen, wenn der <b>Chorus sine nomine<\/b> sich vor ihm verneigt.<\/p>\n<p>Ob homophoner &#8220;klassischer&#8221; Chorklang und Sph\u00e4renharmonie oder unruhige Spr\u00fcnge von Stimmgruppen und einzelnen Chorsolisten \u00fcber einen unglaublichen Tonumfang. Ob unendliche Vokalise oder expressive Klangerzeugung nahe am Ger\u00e4usch: Kein anderes heimisches Vokalensemble ist derzeit so pr\u00e4destiniert f\u00fcr Sofia Gubaidulinas &#8220;Sonnengesang&#8221; wie der <b>Chorus sine nomine<\/b>. Gegr\u00fcndet 1991 von <b>Johannes Hiemetsberger<\/b> hat sich der Chor zu einem der herausragenden Expertengruppen f\u00fcrs Vokale entwickelt: Zeitgen\u00f6ssisches ist bei ihm ebenso perfekt aufgehoben, wie die Marienvesper oder &#8211; Erinnerungen an Sternstunden werden wach &#8211; wie die Mahlerlieder in Chorfassung.<\/p>\n<p>Nun hat der <b>Chorus sine nomine<\/b> mit der Einspielung von Sofia Gubaidulinas &#8220;Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi&#8221; in der revidierten Fassung von 1998 einen Meilenstein gesetzt. Der Sonnengesang ist quasi ein verklausuliertes Konzert f\u00fcr Cello, Schlagwerk und Chor. Michael Hammermayer spielt auf der in der ORF-Edition erschienen CD das Solocello &#8211; und auch er setzt mit seinem Part Ma\u00dfst\u00e4be: Immer wieder l\u00e4sst er den Cello- mit dem Stimmklang symbiotisch verschmelzen oder mit den lichten Schlagzeug- oder Celesta-Funken Klangsterne ergl\u00fchen. Das gro\u00dfe Solo um den &#8220;Altissimo&#8221;-Satz oder die neunte Strophe herum wiegt das Cello zusammen etwa mit den Glocken alle &#8220;Krankheiten oder Pr\u00fcfungen&#8221; zu innerem Frieden.<\/p>\n<p>&#8220;Laudato si, mi Singore, cun tucte le tue creature&#8221;: Die zweite Strophe des Sonnengesangs geh\u00f6rt zu jenen, in denen die Gubaidulina mit geradezu klassischer responsorialer Chorrezitation arbeitet. Umspielt und umrankt werden die Verse von scheinbar unruhigen, in Summe aber \u00fcberaus harmonischen Spr\u00fcngen und Linien des Solocellos. Wenn in der dritten Strophe &#8220;per sora luna e le stelle&#8221; die Frauenstimmen &#8220;Bruder Mond und die Sterne&#8221; beschw\u00f6ren, scheint ein feines zartes Ticken irgendwo im Klangurgrund darauf hinzudeuten, dass die Gestirne schon immer Zeitz\u00e4hler und Orientierungshilfe waren &#8230;<\/p>\n<p>&#8220;Bruder Wind&#8221; wird von einer M\u00e4nner-, &#8220;Schwester Wasser&#8221; einer Frauenstimme angesungen: F\u00fcr die technische Brillanz der Stimmf\u00fchrung und die Klarheit der Klanggebung steht bei diesem Chor jedes einzelne Ensemblemitglied.<\/p>\n<p>Und immer wieder &#8211; in hochexpressiven aufgeregten und vom Schlagzeug scheinbar unruhig zersplitterten Momenten &#8211; erklingt aus dem Hintergrund in gr\u00f6\u00dfter Ruhe und homophoner Getragenheit der quasi \u00fcberirdische Chor. Einer der vielen H\u00f6hepunkte im Werk sind etwa die hellen, ja schrillen Glissandi im Vers &#8220;Altissimo&#8221;: ein wahrer &#8220;Ausbruch&#8221; von Engelsgesang.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Themen Sofia Gubaiduilinas zwischen Leben und Tod, Sterben und Erl\u00f6sung, sind in diesem Werk exemplarisch durchexerziert. Und der <b>Chorus sine nomine<\/b> ist derzeit der exemplarische Vermittler dieses<br \/>\nSchl\u00fcsselwerkes.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[113],"class_list":["post-7743","press","type-press","status-publish","hentry","tag-cd_voices"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}