{"id":7716,"date":"2024-09-06T08:26:18","date_gmt":"2024-09-06T08:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/the-marriage-of-heaven-and-hell\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:18","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:18","slug":"the-marriage-of-heaven-and-hell","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/the-marriage-of-heaven-and-hell\/","title":{"rendered":"The Marriage of Heaven and Hell"},"content":{"rendered":"<h3>Der Wiener &#8220;Chorus sine nomine&#8221; trat mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Konzert im Burghof in L\u00f6rrach auf.<\/h3>\n<p>&#8220;Ruhn sie? Ruhn sie? Rufet das Horn des W\u00e4chters&#8221; Mit Johannes Brahms\u00b4 &#8220;Nachtwache II&#8221; als Zugabe endete am Samstag im Burghof das Konzert des ganz ausgezeichneten Wiener <b>&#8220;Chorus sine nomine&#8221;<\/b> unter <b>Johannes Hiemetsbergers<\/b> Leitung. Der Kreis schloss sich, denn mit Brahms\u2019 &#8220;Fest- und Gedenkspr\u00fcche&#8221; (op.109) hatte es, wenngleich etwas kurios, begonnen. Doch das war ein weiterer Beleg f\u00fcr &#8220;The marriage of heaven and hell&#8221;, wie die Wiener ihren Abend im Untertitel nannten. Sind Brahms\u2019 drei Ges\u00e4nge, offiziell ein Dank f\u00fcr die Verleihung der Ehrenb\u00fcrgerschaft seiner Geburtststadt Hamburg, insgeheim eine Hommage auf den Reichsgr\u00fcnder F\u00fcrst Bismarck? Bezieht Brahms die Verse des 22. Psalms: &#8220;Unsre V\u00e4ter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen aus&#8221; wie die aus Lukas 11, 21 und 22: &#8220;Und wenn ein stark Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden\u2026&#8221; auf die politische Situation? Kann durchaus sein, denn Brahms war ein Verehrer Bismarcks; dass daraus nicht immer die beste Musik wird, wusste er selber und nannte die St\u00fccke des folgenden Opus 110 &#8220;die besseren&#8221;. Von da war es ein weiter Sprung zu Per Norgards (*1932) &#8220;Wiigenlied&#8221; (aus dem Zyklus: &#8220;Wie ein Kind&#8221;). Die Musik &#8220;thematisiert&#8221; die Schizophrenie des Schweizer Malers und Dichters Adolf W\u00f6lfli, das hei\u00dft in die wortlos gewordene Sprache fallen Schreie und Klangst\u00f6\u00dfe von elementarer Wucht. Jetzt gilt es, wie Norgard sagt, kompositorisch &#8220;das Chaos neu (zu) formen&#8221;, denn &#8220;die Geborgenheit meines strahlenden Universums ist zerst\u00f6rt.&#8221; Fantastisch gesungen von den Wienern!<br \/>\nDanach Veljo Tormis\u00b4 (*1930) &#8220;Raua Needmine&#8221;, der &#8220;Fluch des Eisens&#8221; f\u00fcr Soli (Martin Hofer und Malte Puls), Chor und schamanische Trommel (Ingrid Oberkanins) als t\u00f6nende Parabel f\u00fcr das Erscheinen des B\u00f6sen in der Welt. Die W\u00f6rter laufen durch die Stimmen und in allen Varianten der Dynamik erprobt der Chor die Ver\u00e4nderung der Welt, zuletzt die W\u00f6rtersprache in K\u00f6rpersprache verwandelnd. Virtuos gemacht!<\/p>\n<p>Danach wiederum fast beseligende Ruhe erf\u00fcllter Fr\u00f6mmigkeit, klanglich festgemacht an der Klarheit der Soprane, in Samuel Barbers (1910-1981) &#8220;Agnus Dei&#8221;, einer von ihm selbst gefertigten Transkription seines &#8220;Adagio for strings&#8221;. Nach der Pause Clytus Gottwalds (*1925) Arrangement des 4. Liedes eines &#8220;fahrenden Gesellen&#8221; von Gustav Mahler. &#8220;Die zwei blauen Augen von meinem Schatz,\/ Die haben mich in die Welt geschickt\u2026&#8221; und Gottwald bel\u00e4sst die<br \/>\nruhig flie\u00dfende Melancholie des Heimatlosen, die die Wiener mit wacher Empfindsamkeit singen. Bo Holtens (*1948) Motette &#8220;Schall und Rauch und Rosenbusch&#8221; f\u00fcr Soli und Chor a-cappella paraphrasiert in k\u00fchnen Harmonien, auch in exzessiven H\u00f6hen der Solistin (Barbara Achammer) und im Rollenspiel einen Text Hans Christian Andersens. Von da wieder in die fromme Ruhe der alten Antiphon aus der Gr\u00fcndonnerstagsliturgie &#8220;Ubi caritas et amor Deus ibi est\u2026&#8221;, von Morton Lauridsen (*1943) als beinahe klassischer Chorsatz gesetzt, der Gregorianik imitiert; sch\u00f6ne Musik, hinleitend zu John Taveners (*1944) zwei Chors\u00e4tzen &#8220;The Lamb&#8221; und &#8220;The Tiger&#8221;, spiritueller Musik, deren Dissonanzen andeuten, was das Lamm zu erleiden hat, letztlich aber doch in stiller Seligkeit siegt. Und wenn &#8220;The evening hangs beneath the moon\u2026&#8221; ist es Zeit, schlafen zu gehen. Eric Whitacres (*1970) &#8220;Sleep&#8221; ist ein sanftes in den Schlaf Gleiten, von den Wienern als Gute-Nacht-Lied mit fantastischem Schlusspianissimo herrlich gesungen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[38],"class_list":["post-7716","press","type-press","status-publish","hentry","tag-2011_marriage"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}