{"id":7693,"date":"2024-09-06T08:26:16","date_gmt":"2024-09-06T08:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/die-zukunft-des-barock\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:16","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:16","slug":"die-zukunft-des-barock","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/die-zukunft-des-barock\/","title":{"rendered":"Die Zukunft des Barock"},"content":{"rendered":"<p>HELMUT MAUR\u00d3<\/p>\n<p><strong>Martin Haselb\u00f6cks elegante Messias-Demonstration<\/strong><\/p>\n<p>Martin Haselb\u00f6ck ist ein ungemein flei\u00dfiger Musiker und ein h\u00f6chst kompetenter. Seine Erfolge als preisgekr\u00f6nter Organist in Wien belegten das fr\u00fch, seine Beliebtheit als Fachmann f\u00fcr historische Auff\u00fchrungspraxis beweisen es eindrucksvoll. Sein Spektrum reicht von Bach bis Beethoven, von der Barockoper bis zu zeitgen\u00f6ssischen B\u00fchnenst\u00fccken wie &#8216;The Infernal Comedy&#8217;, &#8216;The Giacomo Variations&#8217; oder &#8216;New Angels&#8217;.<\/p>\n<p>Dass man dennoch nie den Eindruck hat, Haselb\u00f6ck verzettele sich im Unterhaltsam-Beliebigen, liegt an seinem K\u00f6nnen und Wissen als Musiker. Er weitet die g\u00e4ngigen Genregrenzen, besinnt sich ebenso zielstrebig auf die originale Kunstsch\u00f6pfung, auf Charakter und Kern eines Werkes, ja einer ganzen Stilepoche. Der Dirigent Haselb\u00f6ck verk\u00f6rpert gleichsam das dialektische Gewissen der modernen Auff\u00fchrungspraxis. In Los Angeles sucht er nicht Anschluss an Hollywood, sondern leitet dort ein Alte-Musik-Ensemble. In M\u00fcnchen versucht er nicht, die \u00fcppige Klang-\u00e4sthetik der hiesigen Musikliebhaber zu befriedigen, sondern wartet im Prinzregententheater mit einem H\u00e4ndelschen &#8216;Messias&#8217; auf, der zun\u00e4chst ob seiner Kargheit und Strenge verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p>Man bewundert die unersch\u00fctterliche Pr\u00e4zision von Chor und Orchester und fragt sich: Wann f\u00e4ngt die gro\u00dfe Sause endlich an, die Georg Friedrich H\u00e4ndel da komponiert hat? Die seit ihrer Urauff\u00fchrung 1742 in immer \u00fcppigerer Besetzung noch durchschlagender wirkt als Beethovens Neunte und die Gem\u00fcter der Menschheit seit je in Wallung bringt? Haselb\u00f6ck geht einen anderen Weg. Er hat mit dem &#8216;<strong>Chorus sine nomine<\/strong>&#8216; und dem Orchester &#8216;Wiener Akademie&#8217; zwei Spitzenensembles an der Hand, die in der Genauigkeit des Musizierens und Ausbalancierens kaum zu \u00fcbertreffen sind; genau deshalb sind sie Haselb\u00f6ck zu schade, um sie als schiere \u00dcberw\u00e4ltigungsmaschine zu missbrauchen. Ihn interessieren die unterschwelligen Ebenen des Werks, die intimen Keimzellen musikalischer Entwicklung, aus denen heraus sich ein ebenso gro\u00dfes, aber viel feiner ziseliertes Gesamtwerk aufbauen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Es war dies noch nicht das Ende von Martin Haselb\u00f6cks Weg zu H\u00e4ndel &#8211; das Solistenensemble k\u00f6nnte besser aufeinander abgestimmt sein. Aber es war eine hochelegante Demonstration dessen, wohin die k\u00fcnftige Auff\u00fchrungspraxis barocker Musik f\u00fchrten k\u00f6nnte, wenn man sie auf so hohem Niveau betreibt.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[15],"class_list":["post-7693","press","type-press","status-publish","hentry","tag-15"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}