{"id":7690,"date":"2024-09-06T08:26:16","date_gmt":"2024-09-06T08:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/besonnener-triumph-mit-haendel\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:16","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:16","slug":"besonnener-triumph-mit-haendel","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/besonnener-triumph-mit-haendel\/","title":{"rendered":"Besonnener Triumph mit H\u00e4ndel"},"content":{"rendered":"<p>LAZLO MOLNAR<\/p>\n<p><strong>Musikalische Weihnachtsaison in M\u00fcnchen er\u00f6ffnet: Im Prinzregententheater erklang H\u00e4ndels &#8220;Messias&#8221; mit der &#8220;Wiener Akademie&#8221; unter der Leitung von Martin Haselb\u00f6ck<\/strong><\/p>\n<p>Keine Frage, Georg Friedrich H\u00e4ndel hatte sein Oratorium &#8220;Messiah&#8221; 1741 geschrieben, um damit Erfolg beim Publikum zu erlangen. Das ist ihm rundum gelungen, der Erfolg und die Bewunderung daf\u00fcr halten an bis zum heutigen Tag. Die Auff\u00fchrung des Messias im Prinzregententheater mit dem &#8220;<strong>Chorus sine nomine<\/strong>&#8220;, der &#8220;Wiener Akademie&#8221; und den Solisten Anna Prohaska, Robin Blaze, Tilman Lichdi und Jos\u00e9 Antonio L\u00f3pez unter der Leitung von Martin Haselb\u00f6ck verschaffte ihm einen weiteren Triumph.<\/p>\n<p>Drei Stunden und kein bisschen m\u00fcde: das galt f\u00fcrs Publikum, das der Auff\u00fchrung mit konzentrierter Ruhe folgte und offenbar auch f\u00fcr die Musiker, die zum Ende hin noch alle Reserven hatten, um die Schlussch\u00f6re des Messias, &#8220;Worthy ist the lamb&#8221; und die gro\u00dfartige &#8220;Amen&#8221;-Fuge, mit Pr\u00e4zision und imposanter Wucht in den Raum zu werfen. Ein grandioser Schluss einer rundum stimmigen, k\u00fcnstlerisch schl\u00fcssig durchgestalteten Auff\u00fchrung auf h\u00f6chstem Originalklang-Niveau. Unter den Solisten war Robin Blaze leider hinter den Erwartungen zur\u00fcckgeblieben, aber es war sofort zu erkennen, dass er tapfer gegen eine Grippe ank\u00e4mpfte und den Spagat versuchte, seine Stimme zu schonen und sie zugleich so sch\u00f6n wie m\u00f6glich zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wien ist nicht nur eine Stadt der Opern und der Wiener Philharmoniker, sie ist auch eine Stadt des Originalklangs. Neben den pr\u00e4senten und publikumswirksamen Auftritten des &#8220;Concentus Musicus&#8221; unter dem charismatischen Nikolaus Harnoncourt nahm sich die 1985 gegr\u00fcndete &#8220;Wiener Akademie&#8221; stets etwas bescheidener aus. Aber ihr Gr\u00fcnder Martin Haselb\u00f6ck, Sohn des angesehenen Organisten Hans Haselb\u00f6ck und urspr\u00fcnglich selbst Organist, lie\u00df nicht locker, pr\u00e4sentierte seine Versionen des bekannten und weniger bekannten Barock-Repertoires und wurde zum festen Bestandteil der Wiener Konzertszene. Einer Szene, die zudem mehrere hervorragende Ch\u00f6re bereit h\u00e4lt, unter denen sich der &#8220;<strong>Chorus sine nomine<\/strong>&#8221; von<strong> Johannes Hiemetsberger<\/strong>, einem Sch\u00fcler der gro\u00dfen Wiener Chorp\u00e4dagogen und \u2013Leiter Erwin Ortner und Johannes Prinz, seit seiner Gr\u00fcndung 1991 als virtuoses Kammerensemble hervorgetan hat.<\/p>\n<p>An dieser Kontinuit\u00e4t und Intensit\u00e4t der k\u00fcnstlerischen Zusammenarbeit, der Qualit\u00e4t der Musikerinnen und Musiker und an deren \u00dcbereinstimmung liegt es, dass der &#8220;Messias&#8221; unter Haselb\u00f6ck ein derart eigene Kontur und eine solch spezifische Stimmung erhielt. In Wien musiziert man, auch dank der raffinierten und exquisiten Akustik des Gro\u00dfen Saals des Musikvereins, gerne leiser, innerlicher, individueller. Man akzeptiert gerne die &#8220;eigenen T\u00f6ne&#8221; profilierter K\u00fcnstler, und das gilt f\u00fcr Solisten ebenso wie f\u00fcr Ensembles. Der &#8220;<strong>Chorus sine nomine<\/strong>&#8221; klingt weich, die Spitzent\u00f6ne haben einen samtigen, manchmal melancholischen Glanz, die Stimmen mischen sich (wof\u00fcr auch die gemischte Aufstellung sorgte), so dass keine der Stimmgruppen hervorsticht, wie das auch englische Ch\u00f6re gerne kultivieren. Das Englisch der Choristen, \u00fcbrigens, war ausgezeichnet. Das Orchester hingegen bleibt als eine Versammlung von Individuen vernehmbar, da entsteht kein festgelegter Standard-Klang, sondern etwas Pulsierendes, Changierendes, das sich der St\u00fccks anschmiegt. Das ergibt eine solche Vielfalt der Klang-Wirkungen, dass man beim Hinschauen immer wieder \u00fcberrascht war, mit wie wenigen Klang-Gruppen H\u00e4ndel f\u00fcr die faszinierende Wirkung des &#8220;Messias&#8221; auskam: Streicher, zwei Oboen, Fagott, zwei Trompeten, Pauken, Continuo, that&#8217;s it.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wirkung seiner Auff\u00fchrung hat sich Haselb\u00f6ck ganz auf diese innermusikalischen Kr\u00e4fte konzentriert. Statt lauten Gepr\u00e4nges und schneidiger Tempi setzt er auf die Mischung der feinen T\u00f6ne und auf Sorgfalt in der Artikulation. Wirklich bewundernswert, mit welcher Konzentriertheit und Spannung alle Musikerinnen und Musiker dies bis zum Ende bereit hielten und jede der 48 Nummern mit frischem, eigenem Leben erf\u00fcllt waren. Wie professionell das ist, welch harte Arbeit dahinter steckt, dessen wird man sich als Zuh\u00f6rer nicht unbedingt bewu\u00dft.<\/p>\n<p>Dass im Solistenquartett mit Prohaska und L\u00f3pez zwei Opernstimmen dabei waren, bedeutete keinen Bruch im klanglichen Charakter. Junge Operns\u00e4nger wissen heute bestens mit der historisch informierten Auff\u00fchrungsweise umzugehen und bereichern das Genre mit edlem Klang und faszinierender Artikulation. Da bekommt man eine Vorstellung, f\u00fcr welche Art S\u00e4nger H\u00e4ndel seine Koloraturen und Intervallspr\u00fcnge geschrieben hat. Der deutsche Tenor Tilman Lichdi hat eine sch\u00f6ne Stimme, die sich vorl\u00e4ufig im Oratorium am wohlsten f\u00fchlen wird. Schade, dass Robin Blaze nicht in Form war, sein Altus ist f\u00fcr dieses Fach derzeit einer der ausdrucksst\u00e4rksten und wohlklingendsten.<br \/>\nImmer ist die Rede davon, dass es sich bei der Adventszeit, die nun gerade beginnt, um eine besinnliche Zeit handelt. Diese Auff\u00fchrung des &#8220;Messias&#8221; \u2013 sie war am Samstag in Wien zu h\u00f6ren und reist Anfang der Woche nach Spanien &#8211; war mit ihrer besonnen, konzentrierten Art genau der richtige Auftakt dazu.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[15],"class_list":["post-7690","press","type-press","status-publish","hentry","tag-15"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}