{"id":7662,"date":"2024-09-06T08:26:16","date_gmt":"2024-09-06T08:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/chorussinenomine.at\/presse\/musizieren-fast-wie-bei-salomo\/"},"modified":"2024-09-06T08:26:16","modified_gmt":"2024-09-06T08:26:16","slug":"musizieren-fast-wie-bei-salomo","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/presse\/musizieren-fast-wie-bei-salomo\/","title":{"rendered":"Musizieren fast wie bei Salomo"},"content":{"rendered":"<p>Ein Oratorium ist ja per se eine ziemlich konzertante Angelegenheit \u2013 von semioriginellen Versuchen, etwa einen &#8220;Messias&#8221; auf die B\u00fchne zu bringen, einmal abgesehen.<br \/>\nUnd doch kann es gelingen, dass sich in der vermeintlich sterilen Frontalaufstellung eine vitalit\u00e4tssatte Dramatik entwickelt, die an Authentizit\u00e4t einer szenischen Darstellung mitunter sogar \u00fcberlegen sein kann. So geschehen am Mittwoch im Theater an der Wien im zweiten Akt von H\u00e4ndels &#8220;Solomon&#8221;: Vor der handlungsresistenten Statik der Eckakte sticht das ber\u00fchmte Urteil des K\u00f6nigs, der einen von zwei Frauen reklamierten S\u00e4ugling vorgeblich zweiteilen will, sowieso hervor, die Solisten aber machten ein veritables Minidrama daraus.<br \/>\nDa war zuvorderst Franco Fagioli. Dass er zu den spannendsten Counterten\u00f6ren der jungen Generation z\u00e4hlt, zeigt sich gerade auch, wenn er nicht Gelegenheit hat, seine brillante Technik mit Bravour-Arien unter Beweis zu stellen. Es ist vor allem die Intensit\u00e4t und Dichte dieser Stimme, die fesselt.<br \/>\nDa war aber vor allem auch die junge \u00d6sterreicherin Agnes Scheibelreiter in der Rolle der rechtm\u00e4\u00dfigen Mutter: Mit ihrem klaren Sopran sang sie den Part mit einer Wahrhaftigkeit, die unter die Haut ging. Scheinbar mit letzter Kraft brachte sie ihr &#8220;Nur schont mein Kind&#8221; \u00fcber die Lippen \u2013 die stimmliche Verk\u00f6rperung jener Frau auf Tiepolos ber\u00fchmtem Fresko in Udine. Ihre ruchlose Gegenspielerin stattete Ida Aldrian mit angemessen aggressivem Mezzo aus, James Oxley komplettierte die Szene mit seinem sicher gef\u00fchrten Tenor, aber leider etwas verschliffenen Koloraturen. G\u00fcnter Haumer nutzte seine Auftritte, um seinen noblen Bariton ins rechte Licht zu r\u00fccken, w\u00e4hrend Bernarda Bobro als Salomos Gemahlin bzw. K\u00f6nigin von Saba erst gegen Ende f\u00fchlbar frei sang. Zum Gl\u00fcck hatte sie in Fagioli einen sensiblen Partner, der sich ihrem schlanken Sopran gegen\u00fcber in den Duetten zur\u00fccknahm.<br \/>\nDass Matthew Halls am Pult der Wiener Akademie und des mit Verve agierenden <b>Chorus sine nomine<\/b> kurzfristig eingesprungen ist, muss einem erst gesagt werden: Da gab es schon weit weniger homogene Produktionen. Und nachdem man im ersten Akt die Glut, von der der Priesterchor sang, noch suchte, und manches etwas brav geriet, war ab Akt zwei lebendiges, affektgetr\u00e4nktes Musizieren angesagt. Fast wie am Hof Salomos.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","tags":[12],"class_list":["post-7662","press","type-press","status-publish","hentry","tag-12"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press\/7662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chorussinenomine.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}